Alt-Text für Bilder: SEO und Barrierefreiheit in einem
Alt-Texte sind der Teil deiner Webseite, der fast immer vergessen wird. Beim Aufbau von neuen Seiten gehe ich bei Kunden immer die Mediathek durch, und das Muster wiederholt sich: 95 Prozent der Bilder haben keinen Alt-Text, oder der Alt-Text lautet „IMG_3847“.
Dabei sind Alt-Texte aus mehreren Gründen wichtig. Sie helfen sehbehinderten Menschen, die Screenreader nutzen. Sie sind ein Rankingfaktor in der Google-Bildersuche. Sie geben Google zusätzliche Hinweise, worum es auf der Gesamtseite geht. Und sie werden angezeigt, wenn ein Bild nicht laden kann.


Was ist ein Alt-Text?
Der Alt-Text ist das alternative Textattribut eines Bildes. Im HTML steht er als alt-Attribut im img-Tag. Beispiel: <img src=“werkstatt.jpg“ alt=“Mechaniker repariert Motor in Werkstatt Tübingen“>.
Dieser Text wird sichtbar, wenn das Bild aus irgendeinem Grund nicht geladen werden kann. Wichtiger aber: Er wird von Screenreadern vorgelesen, sodass blinde oder sehbehinderte Menschen verstehen, was auf dem Bild zu sehen ist. Und Google nutzt den Alt-Text, um zu verstehen, was das Bild zeigt, weil Google die Bildinhalte selbst nur begrenzt analysieren kann.
Aus SEO-Sicht bedeutet das: Alt-Texte sind für dich kostenlose Ranking-Signale. Sie kosten nichts außer ein paar Sekunden Schreibarbeit pro Bild.
Die Regeln für gute Alt-Texte
1. Beschreibend, nicht generisch
„Bild“ oder „Foto“ ist kein Alt-Text. Der Alt-Text muss beschreiben, was auf dem Bild tatsächlich zu sehen ist. Wenn ein sehbehinderter Mensch das Bild mit einem Screenreader hört, soll er eine klare Vorstellung bekommen.
2. So kurz wie möglich, so lang wie nötig
Zwischen 80 und 125 Zeichen ist der Sweet Spot. Einzelne Wörter wie „Hund“ sind zu wenig. Ganze Romane sind zu viel. Ein Satz reicht.
3. Keyword einbauen, aber natürlich
Wenn das Bild zum Thema der Seite passt, darf der Alt-Text das Haupt-Keyword enthalten. Aber nicht gezwungen. „Zahnarzt Tübingen Zahnarzt Zahnarzt Behandlung“ ist Keyword-Stuffing und wird von Google als Spam erkannt. Besser: „Zahnarzt in Tübingen untersucht Patient bei Kontrolltermin“.
4. Kontext der Seite berücksichtigen
Das gleiche Bild kann auf verschiedenen Seiten unterschiedliche Alt-Texte haben. Auf einer Seite über Zahnreinigung beschreibst du das Bild anders als auf einer Seite über Kinderzahnheilkunde, auch wenn dieselbe Zahnärztin darauf zu sehen ist.
5. Dekorative Bilder bekommen leeren Alt-Text
Reine Deko-Grafiken (Hintergrundmuster, Trennlinien) bekommen alt=““ (leer). Screenreader überspringen sie dann. Das ist richtig so, weil sie keine Information transportieren.
6. Keine Füllwörter am Anfang
„Bild von einem Hund“ ist schlechter als „Hund spielt im Garten“. Der Screenreader sagt sowieso, dass es ein Bild ist. Du musst nicht „Bild von“ schreiben.
Gute und schlechte Alt-Texte
Beispiel 1: Teamfoto
Schlecht: IMG_4738
Besser, aber zu generisch: Mitarbeiter
Gut: Team der Zahnarztpraxis Müller in Tübingen mit acht Mitarbeitern
Beispiel 2: Produktbild
Schlecht: Schuh
Zu lang: Ein wunderschöner blauer Sportschuh mit weißen Streifen und einem roten Logo, der perfekt für das tägliche Laufen geeignet ist und in verschiedenen Größen erhältlich ist sowie eine sehr gute Dämpfung bietet
Gut: Blauer Adidas Runner Sportschuh mit weißer Sohle, Modell 2026
Beispiel 3: Grafik
Schlecht: Diagramm
Gut: Balkendiagramm zeigt SEO-Ranking-Verbesserung von Position 40 auf Position 8 in 4 Monaten
Beispiel 4: Foto einer Dienstleistung
Schlecht: Arbeit
Gut: Elektriker installiert moderne Stromverteilung in Neubau Tübingen

Dateinamen sind genauso wichtig
Neben dem Alt-Text spielt der Dateiname des Bildes eine Rolle. Google liest auch den Dateinamen und nutzt ihn als zusätzliches Signal.
Schlechte Dateinamen:
- IMG_3847.jpg
- DSC04583.webp
- Screenshot-2026-04-15.png
- Bild1.jpg
Gute Dateinamen:
- zahnarzt-tuebingen-behandlungszimmer.webp
- seo-ranking-diagramm-4-monate.webp
- elektriker-stromverteilung-tuebingen.webp
Regel: Kleinbuchstaben, Wörter mit Bindestrichen trennen, keine Leerzeichen oder Sonderzeichen, aussagekräftig.

Das richtige Dateiformat: WebP statt JPG
WebP ist ein von Google entwickeltes Bildformat, das bei gleicher Qualität wesentlich kleinere Dateien erzeugt als JPG. Das verbessert die Ladezeit und damit die Core Web Vitals.
Konkreter Vergleich aus einem Kundenprojekt: Eine 480-KB-JPG-Datei wurde nach WebP-Umwandlung auf 95 KB verkleinert. Bei einer Webseite mit 15 Bildern auf der Startseite sind das 5,8 MB Einsparung. Die Ladezeit sank von 4,2 auf 1,8 Sekunden. Das ist der Unterschied zwischen „fühlt sich träge an“ und „lädt sofort“.
Plugins für WordPress, die automatisch WebP erstellen:
- EWWW Image Optimizer
- ShortPixel
- Imagify
- Smush Pro
Ein Mal einrichten, dann laufen alle zukünftigen Uploads automatisch durch die Konvertierung.
Häufige Fehler bei Alt-Texten
- Kein Alt-Text: Der häufigste Fehler. Einfach vergessen.
- Dateiname als Alt-Text: „IMG_4738“ als Alt-Text ist schlimmer als gar kein Alt-Text, weil Screenreader ihn vorlesen und Nutzer verwirren.
- Keyword-Stuffing: „Zahnarzt Tübingen bester Zahnarzt günstiger Zahnarzt Zahnarzt Termin“. Google erkennt das als Spam.
- „Bild von“ am Anfang: Screenreader sagen bereits, dass es sich um ein Bild handelt. Verzichte auf die Dopplung.
- Identische Alt-Texte: Wenn auf einer Seite fünf verschiedene Bilder alle den gleichen Alt-Text haben, verwirrt das Screenreader-Nutzer und sendet kein klares SEO-Signal.
- Dekorative Bilder mit aufgezwungenem Alt-Text: Reine Hintergründe brauchen keinen Alt-Text. Leeres Attribut (alt=““) ist die korrekte Lösung.
Barrierefreiheit: Der oft vergessene Aspekt
Alt-Texte sind nicht nur SEO. Sie sind der wichtigste Baustein für barrierefreie Webseiten. Sehbehinderte Menschen navigieren mit Screenreadern wie JAWS, NVDA oder VoiceOver durchs Netz. Diese Programme lesen den Text der Seite vor, inklusive der Alt-Texte der Bilder.
Wenn du Alt-Texte weglässt oder dumm formulierst, schließt du diese Menschen von deiner Webseite aus. In Deutschland leben über eine Million sehbehinderte Menschen. Seit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz 2025 sind viele Unternehmen zusätzlich rechtlich verpflichtet, barrierefrei zu sein.
Mein Tipp: Beim Schreiben von Alt-Texten frage dich, ob ein blinder Mensch durch deinen Text versteht, was auf dem Bild zu sehen ist. Wenn ja, hast du es gut gemacht.

Mein Workflow für Alt-Texte
- Vor dem Upload: Dateiname ändern in beschreibende Form mit Bindestrichen
- Beim Upload in die Mediathek: Alt-Text eintragen. In WordPress das Feld „Alternativer Text“
- Beim Einbetten auf einer Seite: Prüfen, ob der Alt-Text zum Seitenkontext passt. Wenn nicht: auf dieser spezifischen Einbettung überschreiben
- Nach dem Veröffentlichen: Mit einem Screenreader oder Browser-Plugin überprüfen, ob die Alt-Texte richtig vorgelesen werden
Für bestehende Webseiten mit vielen Bildern ohne Alt-Text: Screaming Frog crawlt deine Seite und listet alle Bilder mit und ohne Alt-Text auf. So siehst du auf einen Blick, wo nachgebessert werden muss.
Häufige Fragen zu Alt-Texten und Bilder-SEO
Muss jedes Bild einen Alt-Text haben?
Jedes inhaltliche Bild ja, reine Deko-Grafiken nein. Für Deko gilt alt=““ als leeres Attribut. So überspringen Screenreader das Bild, und Google erkennt, dass es keine SEO-Relevanz hat.
Wie lang sollte ein Alt-Text sein?
Zwischen 80 und 125 Zeichen. Einzelne Wörter sind zu wenig. Mehrere Sätze sind zu viel. Ein beschreibender Satz reicht in den meisten Fällen.
Ist der Title-Attribut eines Bildes wichtig?
Nein, das title-Attribut (der Tooltip beim Drüberfahren mit der Maus) ist für SEO praktisch irrelevant und wird von vielen Screenreadern ignoriert. Konzentriere dich auf Alt-Text und Dateiname.
Wie optimiere ich Alt-Texte für die Bildersuche?
Schreibe Alt-Texte so, dass sie wie Suchanfragen klingen könnten, ohne gezwungen zu wirken. Wenn du als Zahnarzt willst, dass jemand dein Bild in der Bildersuche findet, wenn er „Zahnarzt Tübingen Behandlung“ googelt, dann darf der Alt-Text diese Begriffe enthalten. Immer natürlich, nie als Keyword-Echo.
Was ist der Unterschied zwischen Alt-Text und Bildbeschriftung?
Die Bildbeschriftung (caption) ist der sichtbare Text unter einem Bild, den alle Nutzer lesen. Der Alt-Text ist unsichtbar und nur für Screenreader und bei nicht ladenden Bildern relevant. Beide können SEO-Wert haben, aber der Alt-Text ist wichtiger.
Deine Bilder SEO-optimal einsetzen
Wenn du deine Bild-SEO-Strategie komplett überarbeiten willst, schauen wir das im Rahmen einer SEO-Beratung gemeinsam an. Ich zeige dir, welche Bilder Alt-Text brauchen, welche Dateinamen ideal wären und ob dein WebP-Setup stimmt.
Weiter lesen: On-Page-SEO Überblick, Title-Tag optimieren, Google Ranking verbessern.
